
PROZ, September 2026, S. 14
Lukas Nussbaumer
Balz Trümpy gehört zu den wichtigsten Basler Musikpersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Zu seinem 80. Geburtstag wird er im Museum Kleines Klingental mit einem besonderen Konzert geehrt.
Wenige Persönlichkeiten aus dem Klassik-Umfeld haben das Basler Musikleben der letzten Jahrzehnte so geprägt wie Balz Trümpy. 1946 in Basel geboren, hat er am hiesigen Konservatorium studiert, und später selbst über 30 Jahre Komposition und Musiktheorie unterrichtet. Von 1982 bis 1987 war er stellvertretender Leiter des Konservatoriums. Trümpy komponiert seit den späten 1960er-Jahren: Unzählige Werke von ihm sind in Basel uraufgeführt und auf der ganzen Welt gespielt worden.
Zu seinem 80. Geburtstag wird der emeritierte Professor nun im Museum Kleines Klingental in Basel mit einem besonderen Konzert geehrt: Flötistin Miriam Terragni, Sopranistin Aurea Marston, Geigerin Jana Ozolina, Cellistin Gunta Ābele und Pianistin Cornelia Lenzin spielen ausschliesslich Kammermusik von Trümpy – darunter zwei neue Kompositionen, die «Vier Duette für Violine und Violoncello» sowie das Quintett «Epigramm». Für Letzteres hat sich der Komponist von einem Text des Breslauer Barockdichters Angelus Sibelius inspirieren lassen: «Ich bin, ich weiss nicht wer. Ich komme, ich weiss nicht woher. Ich gehe, ich weiss nicht wohin. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin … Eigentlich doch ganz passend zu einem Geburtstag», meint Trümpy mit einem Augenzwinkern.
Ideen und Tatendrang
Dem heute in Nuglar wohnhaften Komponisten sind Ideen und Tatendrang auch mit 80 noch längst nicht ausgegangen. «Ich komponiere immer», sagt Trümpy: «Für mich allein, aber auch im Rahmen von Aufträgen.» Aktuell arbeitet er unter anderem an einer Kammeroper zu E. T. A. Hofmanns «Der goldne Topf» und einem Stück für Konzertzither. Für Trümpy ist das Instrument, für das er gerade schreibt, im Kompositionsprozess jeweils wie ein Partner. Ähnliches gelte je nachdem auch für die ein Werk interpretierenden Personen: «Sie können meine Ideen jederzeit verändern – Neues entstehen lassen, auf das ich selbst nicht kommen würde.»
Das Instrument zur primären Ausgangslage der Komposition zu machen, das hat Trümpy beim italienischen Avantgarde-Komponisten Luciano Berio gelernt. Bei ihm studierte er in Rom und war zugleich drei Jahre lang dessen Assistent. Zu dieser Zeit war die Neue Musik auf dem europäischen Kontinent noch stark geprägt vom Serialismus, einer streng mathematischen Kompositionsweise. Berio ging andere Wege – und auch Trümpy distanzierte sich in seinem Schaffen bald davon. «Das Ausrechnen ist nicht mein Weg», sagt er. «Ich mag es lieber, freie Themen zu komponieren, mit einem Fokus auf Melodik und Harmonik zu arbeiten.» Für ihn sei Musik in erster Linie etwas Intuitives: «Es braucht die richtige Schwingung.»
Anders übrigens als sein Lehrer Berio hat Trümpy immer leidenschaftlich gerne unterrichtet. «Vermitteln ist mir genauso wichtig wie Musik zu schreiben», sagt er. Daraus spricht eine grosse Wertschätzung Trümpys gegenüber seinem Gegenstand und seinem menschlichen Gegenüber. Es ist nicht zuletzt das, was ihn zu einer weithin geschätzten Musikpersönlichkeit gemacht hat.
Konzert zum 80. Geburtstag von Balz Trümpy: Mi 2.9., 19.30, Museum Kleines Klingental Basel, www.mkk.ch
Geburtstagskonzert Balz Trümpy: Sa 12.12., 19.30, Musik-Akademie Basel, Grosser Saal, www.balztruempy.jimdofree.com
Ausserdem: Aurea Marston, Cornelia Lenzin, Album «Viktor Ullmann – Wo hast du all die Schönheit hergenommen? Lieder», Prospero, 2026

