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    Müde Beine, gestärkte Seele

    Konstantin König und Flavian Graber (rechts) am Ziel der Reise, Fotos: © Carsten Christians

    PROZ, Juli/August 2026, S. 16/17

    Lukas Nussbaumer

    Der Baselbieter Musiker Flavian Graber lädt auf seinen Wanderkonzerten zu Klangreisen der anderen Art ein. Die PROZ ist in Riehen mitgewandert.

    Wir versammeln uns um Punkt 19 Uhr bei der Tramhaltestelle Riehen Dorf, direkt neben dem «Landgasthof». Flavian Graber stimmt noch kurz die Saiten seiner akustischen Gitarre und begrüsst dann die rund 20-köpfige «Reisegruppe». Endpunkt wird die Kirche St. Chrischona sein, Ziel der heutigen Reise ist aber eigentlich der Weg: Wir befinden uns auf einem Wanderkonzert.

    Graber, vor allem als Kopf von Basler Band und Künstlerkollektiv We Invented Paris bekannt, hat die Wanderkonzerte 2021 – mitten in der Pandemie – ins Leben gerufen. Das Prinzip ist simpel: Man geht als Gruppe einen rund zweistündigen Weg. Unterwegs gibt es verschiedene Stopps, an denen Graber Songs vorträgt und seine wechselnden Gäste andere künstlerische Beiträge liefern. Heute sind das Autorin Julia Rüegger und Schlagzeuger Konstantin König.

    Lauschen statt sprechen

    Eine einzige Regel gibt es für die Wandernden: unterwegs nicht sprechen. Das ist erst mal gewöhnungsbedürftig, lässt einen aber die Ohren spitzen und sich ganz auf die Geräuschkulisse konzentrieren. Die besteht nämlich nicht nur aus Musik und Sprache, sondern zu einem grossen Teil auch aus Umgebungs- und vor allem Naturgeräuschen. Graber illustriert das gleich am Anfang unserer Riehener Reise: Er macht Halt am Immenbach und spielt dort seinen Song «Bach» – ein stummes Lied, das ganz dem Plätschern des Wassers Raum lässt. Anschliessend marschieren wir durch die Bahnhofunterführung und die Wenkenstrasse hoch. Dort integriert sich eine ältere Frau unfreiwillig, aber sehr stimmig in die Klangreise, indem sie mit dem Spachtel und in regelmässigem Rhythmus Moos von der Vorgartenmauer entfernt.

    Nach wenigen Minuten bewahrheitet sich das, was Graber zu Beginn angekündigt hat: Er ist «zügig unterwegs». Ein Spaziergang ist das definitiv nicht, das Tempo ist beachtlich. Im Wenkenpark angekommen, liest Rüegger eine Textpassage über das Unterwegssein, und im Pavillon hören wir die erste gemeinsame Performance der drei – inklusive Perkussionssoli von König, der alles Klangpotenzial aus dem eisernen Gestänge des Unterschlupfs herausholt. Graber lädt uns Wandernde hier ein, zwei Kieselsteine aufzulesen und sie unterwegs zu spezifischen Gedanken wieder fallen zu lassen – eine schöne Übung, sich einen Moment auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren.

    Gemeinsam zu hören sein

    Ab da ist unsere Wandergruppe vor allem im Chrischonawald unterwegs: Wir geniessen in musikalischer Begleitung die letzten Sonnenstrahlen am Wegrand, machen gemeinsam eine mehrstimmige Schlagzeug-Improvisation und lauschen bewusst in die Natur hinaus, während Rüegger mit philosophischen Fragen umhergeht. Nach einer Verschnaufpause an einer Feuerstelle und einem letzten Song von Graber stimmen wir dann zusammen in den wortlosen Chorus ein und kommen als «Chrischona-Chörli» singend bei der Kirche oben an. Die Beine sind müde, die Seele aber ist gestärkt. Das Wanderkonzert ist eine Erfahrung, die guttut.

    Wanderkonzerte mit Flavian Graber: Fr 21.8 sowie Do 27.8 bis So 30.8., weitere Termine im September, diverse Orte in der Region Basel und Solothurn, www.wanderkonzerte.ch

     

     

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