
PROZ, Juli/August 2026, S. 32/33
Sabine Knosala
Mit einer Plakataktion will der Verein Mach Platz! einen Diskurs über die Nutzung des öffentlichen Raums anregen.
Wenn man durch die Strassen von Basel spaziert, lachen einem immer wieder Plakate entgegen, die für irgendetwas Werbung machen: Kauf dies, konsumiere das, klicke hier. «Werbung nimmt viel Platz im öffentlichen Raum ein, kann aber nicht von der Bevölkerung mitbestimmt werden», sagt Joachim Gärtner. Nur wer Geld habe, könne bestimmen, was auf den Plakaten zu sehen sei.
Zusammen mit Fina Girard, Tim Züger, Pia Zibulski und Claudio Rinaldi ist Gärtner im Vorstand des Vereins Mach Platz!, der sich an diesem Umstand stört. Die fünf jungen Baslerinnen und Basler kennen sich aus den Chören ATempo! und Vivo der Musik-Akademie Basel und setzen sich alle beruflich, politisch oder aktivistisch mit Kunst, Kultur und Stadtplanung auseinander.
Auf einer Chorreise im Herbst 2023 diskutierte das Quintett engagiert über die Nutzung des urbanen Raums: Sollte nicht Platz, der von allen genutzt wird, auch von allen demokratisch mitgestaltet werden? Und ist es richtig, dass Werbung so viel Aufmerksamkeit absorbiert?
Mit dem Ziel, dazu in der Öffentlichkeit eine Debatte zu lancieren, gründete die Gruppe Ende 2025 den Verein Mach Platz!. Jede und jeder kann Mitglied werden: Den Mitgliederbeitrag zwischen 20 und 100 Franken bestimmt man selbst. Dazu kommt finanzielle Unterstützung der Christoph Merian Stiftung und der Abteilung Kultur Basel-Stadt sowie Spenden wie etwa von Basel Tourismus.
20 Standorte in ganz Basel
Im Sommer findet nun die erste Aktion von Mach Platz! statt: Mit den erhaltenen Geldern kauft der Verein Plakatflächen an ausgewählten Plätzen und bespielt sie mit junger Kunst. Für die erste Plakatierung bis zum 20. Juli konnten 20 Standorte in ganz Basel gebucht werden.
Gestaltet wurden die Plakate von Studierenden der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) Basel während eines Moduls im Frühjahrssemester. Die 20 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Ländern kreierten individuelle Designs zum übergeordneten Thema «Demokratie»
«Es ist ein bisschen paradox», meint Gärtner, «wir geben Geld für Plakate aus, um damit eben gerade nicht Werbung zu machen.» Damit will der Verein zum Nachdenken anregen, ohne bereits fertige Lösungen zu präsentieren. «Es soll ein demokratischer Prozess stattfinden», betont Gärtner.
Und dieser Prozess hat auch im Vorstand selbst stattgefunden. Lange wurde beispielsweise darüber diskutiert, ob man auf den Plakaten auch das Vereinslogo abbilden will. Ist das noch Information oder schon Werbung? Schlussendlich entschied sich der Vorstand dagegen: «Es fühlte sich inkonsequent an», sagt Gärtner.
Ende Juni findet die Vernissage statt. Getreu seinem Namen nimmt sich der Verein Platz auf der Dreirosenbrücke und lädt die Bevölkerung ein vorbeizukommen: Es gibt einen Plakat-Parcours mit Stempelkarte, Inputs von Verein und HGK sowie ein Konzert der Los Tros Flamingos.
Für die Zukunft sieht Mach Platz! drei Handlungfelder: Interaktion, Diskurs anregen und politische Arbeit. Wie genau, will man bewusst offen lassen. «Wir testen neue Ansätze, lernen dazu und bleiben beweglich», so Gärtner.
Mach Platz!, Plakataktion: bis Mo 20.7., 20 Standorte in Basel (Vernissage Fr 26.6., ab 17 h, Dreirosenbrücke), www.mach-platz.ch

