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    Dreister Schattenspieler

    Faber, dargestellt wie auf einem Ölgemälde, Bild: Justus von Karger

    PROZ, Februar 2026, S. 10/11

    Nick Joyce

    Faber ist der spannendste Singer-Songwriter, den die Schweizer Musikszene im 21. Jahrhundert hervorgebracht hat. Am 5. Februar singt und spielt Zürichs Antwort auf den grossen Serge Gainsbourg in der Kaserne Basel.

    Es kommt selten vor, dass Schweizer Singer-Songwriter von ausländischen Medien abgefeiert werden. Faber ist die Ausnahme, die diese Regel bestätigt. Die breite Resonanz, die der Zürcher mit sizilianischen Wurzeln in Deutschland und Österreich erfährt, hat Julian Vincenzo Pollina, wie Faber bürgerlich heisst, aber redlich verdient. Schliesslich bringt der 32-Jährige nicht bloss viel Talent mit, sondern auch die nötige Dreistigkeit, um sich als Star mit Substanz zu positionieren: Wer von sich behauptet, als Christ geboren und zum Narzissmus konvertiert zu sein, erhebt hohe Ansprüche an sich, Ansprüche, die Faber tatsächlich zu erfüllen vermag.

    Dem Sohn des international bekannten Liedermachers Pippo Pollina wurde viel musikalisches Handwerk in die Wiege gelegt, geschärft hat er dieses aber selbst. Am Gymnasium wählte Faber den Schwerpunkt Musik, seine ersten Erfahrungen als Performer machte er als Kneipen-Troubadour und Hochzeitsänger. Lange schien sich Faber von seinem berühmten Vater distanzieren zu wollen. Erst auf dem Album «Addio» (2024) kam es beim Lied «Pirdutu cori» zu einer Zusammenarbeit. Davor machte Faber gemeinsame Sache mit Sophie Hunger und Dino Brandão. Das als Trio erarbeitete Album «Ich liebe dich» (2020) und die begleitende Tournee waren im In- und Ausland erfolgreich.

    Raue Persona, raue Stimme

    Mit dem Projekt «Ich liebe dich», eine Hommage an das schönste aller Gefühle, leitete Faber eine Kurskorrektur ein. Bis anhin hatte er sich als proletarischer Lebemann inszeniert, der durch die Kneipen Zürichs strich, seine wechselnden Objekte der Begierde ohne Rücksicht auf Anstand oder Altersunterschiede anbaggerte und gelegentlich wüste Repressalien gegen Neonazis androhte. Gleichzeitig machte Faber immer wieder klar, dass seine aus der Ich-Perspektive heraus verfassten Liedtexte von anderen Menschen handelten: Ihn darin zu suchen, sei verfehlt. Immer gelang dem Serge Gainsbourg aus dem Seefeld-Quartier das Schattenspiel nicht. Sein Stück «Das Boot ist voll» löste 2019 einen Shitstorm aus, und Faber musste zugeben, dass er gewisse Textstellen selber für «schwierig» hielt – und sie darum überarbeiten wolle.

    Womöglich wäre die Retusche gar nicht nötig gewesen. Wer über eine raue Baritonstimme verfügt, die einem Schauspieler im gehobenen Alter würdig wäre, dem verzeiht man so einiges. Alles, was Faber singt oder sagt, klingt nämlich nach vertontem Theater. Wobei bei diesem Schattenspiel wohl mehr Faber mitschwingt, als Faber zugibt. Wer wie er immer eine Maske trägt, der kann sich die Freiheit nehmen, wirklich wahrhaftig zu sein.

    Faber: Do 5.2., 20.30, Kaserne Basel, www.kaserne-basel.ch

     

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