
PROZ, Oktober 2025, S. 26/27
Josia Jourdan
Im Oktober trifft sich die internationale Buchbranche in Frankfurt. Für Basler Buchschaffende ist die Messe Schaufenster, Netzwerkplattform – und Tür zur Weltliteratur.
Vom 15. bis 19. Oktober ist es wieder so weit: Über 230 000 Besuchende und 4300 Ausstellende aus mehr als 100 Ländern sowie rund 3300 Veranstaltungen machen die Frankfurter Buchmesse zum weltweit wichtigsten Branchentreffen. Darunter befinden sich auch zahlreiche Vertretende aus der Schweiz und aus Basel.
Sichtbarkeit für Verlage
«Wir sind mit einem Schweizer Gemeinschaftsstand jedes Jahr präsent und zeigen unser Schaffen einem internationalen Publikum», sagt Tanja Messerli vom Schweizer Buchhandelsverband: «Hier werden neue Titel eingekauft, Autorinnen und Autoren entdeckt und vor allem Geschäftsbeziehungen ins Ausland gepflegt.»
Für viele Schweizer Verlage, die jährlich nur wenige Titel veröffentlichen, ist dieser Gemeinschaftsstand die einzige Chance, in Frankfurt sichtbar zu werden. Auch bekannte Basler Häuser wie der Christoph Merian Verlag oder Zytglogge nutzen die Gelegenheit, um ihre Programme vorzustellen.
Sprungbrett für Schreibende
Die Messe kann Karrieren verändern. Die Basler Autorin Tabea König ist zwar in diesem Jahr nicht selbst vor Ort, ihre Literatur-Agentin aber schon: «Meine Literatur-Agentin nimmt mein neues Schreibprojekt mit und pitcht es bei den Verlagsterminen. Im besten Fall gibt es noch während der Messe ein Angebot.»
Dass es funktioniert, zeigt Nelio Biedermann, der am Zürichsee wohnt: Sein Roman «Lázár» wurde an der letztjährigen Buchmesse in über 20 Länder verkauft und ist inzwischen ein Bestseller, der sogar für den Schweizer Buchpreis nominiert ist.
Auch Netzwerke von Autorinnen und Autoren sind präsent. Die Baslerin Elvira Nüchtern vertritt die «Mörderischen Schwestern», einen Zusammenschluss von Krimi-Autorinnen: «Es ist ein grosses Familientreffen. Ich treffe Bloggerinnen, Kolleginnen und Leserinnen. Gleichzeitig erreichen unsere Bücher jedes Jahr neue Leserschaften.»
Inspiration für Institutionen
Neben Verlagen und Schreibenden spielen auch Basler Buchhandlungen und Literaturinstitutionen eine Rolle. Die traditionsreiche Buchhandlung Bider & Tanner gilt für viele Verlage als zentrale Partnerin in der Region und ist in Frankfurt präsent. Das Literaturhaus Basel reist mit, um neue Kontakte zu knüpfen. «Wir besuchen die Stände verschiedener Verlage, die uns ihre neuesten Programme vorstellen», sagt Mitarbeiterin Maria Marggraf: «So können wir uns einen Überblick verschaffen und Ideen für unser Veranstaltungsprogramm entwickeln.»
Auch Marion Regenscheidt, Leiterin der Basler Buchmesse BuchBasel, die jeweils im November stattfindet, ist unterwegs – zwischen Empfängen, Verlagsterminen und spontanen Gesprächen, die nicht selten über zukünftige Programme entscheiden.
Warum nicht digital?
Natürlich könnten viele Gespräche auch via Zoom stattfinden. Doch gerade für Institutionen wie das Literaturhaus Basel zählt die Messe als Barometer. «An zwei Tagen ist es leichter, gewisse Tendenzen oder Stimmungen aufzuschnappen, die die Literaturwelt gerade bewegen», so Marggraf: «Das nehmen wir als Inspiration zurück nach Basel.»
Damit wird klar: Basel mag literarisch eine überschaubare Szene haben – doch ihre Akteurinnen und Akteure wissen, wie wichtig die Bühne Frankfurt ist, um international sichtbar zu bleiben.
Frankfurt erleben – fünf Tipps neben der Messe
Jüdisches Museum:
Geschichte und Gegenwart der jüdischen Kultur
Museum für Kommunikation:
Interaktive Ausstellung über Medienwelten
Frankfurter Römer:
Mittelalterliche Altstadt und Ort der Buchpreis-Verleihung
Gutenberg-Museum Mainz:
30 Minuten mit der Bahn – die Geschichte des Buchdrucks
Mainufer:
Nach dem Messetrubel ein Spaziergang am Fluss mit Skyline-Blick
Weitere Informationen gibt es beim Tourismusbüro Frankfurt, www.visitfrankfurt.travel

